Die Familie Esche und das Rittergut Lauterbach.

Die jüngere Geschichte des Ritterguts ist eng mit der Unternehmerfamilie Esche aus Limbach / Chemnitz verbunden, eine der ältesten regionalen Unternehmerfamilien, die sich bis ins 17. Jahrhundert, zum Schwarzfärber Hanns Esche zurückverfolgen lässt. Im frühen 18. Jahrhundert begann die Geschichte der Strumpffabrik Esche: Hanns Esches Sohn Johann baute den ersten sächsischen Wirkstuhl und gründete eine Unternehmung in Limbach. Sein unternehmerischer Gedanke war jedoch nicht selbst Strümpfe zu fertigen sondern die dazu erforderlichen Wirkstühle, die er in Limbach und Umgebung zur Verfügung stellte, so dass die Bevölkerung für ihn die Strümpfe produzierte. Auf zahlreichen, zunächst selbst gebauten Wirkstühlen ließ er Stoffe sowie Seidenstrümpfe für Herren herstellen. Johanns Sohn, Johann David Esche, erweiterte ab 1752 den Absatzmarkt und exportierte ins Ausland. Johann Davids Enkel Moritz Samuel Esche ging zur industriellen Strumpfproduktion über und knüpfte Kontakte bis in die USA. Seine beiden Söhne Carl Julius und Theodor errichteten eine neue Fabrik in Limbach. 1870 jedoch verlegte das Unternehmen, die „Strumpffabrik Moritz Samuel Esche“, seinen Sitz nach Chemnitz, 1886 erfolgte dort ein Neubau der Fabrikationsstätten. 
Das Unternehmen war damals die größte Strumpfwarenfabrik in Deutschland, fertigte Strümpfe und Unterbekleidung aller Art und belieferte Kunden in aller Welt. Um die Jahrhundertwende beschäftigte man 500 Arbeiter, weitere 2500 Heimarbeiter lieferten zu.

Moritz Samuel Esche, Bild oben links (26.10.1785 – 25.02.1854) erwarb als erster weltlicher Besitzer 1848 das Rittergut, das für Jahrhunderte als Lehen der Kurfürsten von Sachsen-Weimar-Eisenach im Besitz verschiedener Adelsfamilien gewesen war.

Otto Moritz Eugen Esche, Bild oben rechts (25.09.1845 – 12.02.1902) wurde 1867 nach dem Tod seines Vaters Carl Julius Miteigentümer der Strumpfwarenfabrik Moritz Samuel Esche. Im Jahre 1884 ließ Otto Moritz Eugen Esche den Herrensitz des Ritterguts abreißen und erbaute das heutige Schloss in den Folgejahren auf den Fundamenten des Vorgängerbaus neu.

Arnold Eugen Esche (03.08.1880 – 23.05.1967) übernahm das Schloss und die Ländereien im Alter von 25 Jahren und beauftragte 1907 – den Anregungen seines Bruders Herbert (Villa Esche in Chemnitz) folgend – den belgischen Architekten Henry van de Velde mit dem umfassenden Um- und Ausbau der herrschaftlichen Räume. Dieser in hohem Maße aufwendige Umbau war Ende 1908 abgeschlossen; die zum Rittergut Lauterbach zugehörige landwirtschaftliche Fläche von 181 Hektar war während des Besitzes durch die Familie Esche bis 1945 weitestgehend verpachtet. Bis dahin war das Rittergut von „Onkel Arnold“ für den Chemnitzer Zweig der Familie Esche ein beliebtes Ferien- und Wochenendziel!
Arnold Esche verblieb auch nach seiner Enteignung durch die sowjetische Militäradministration um 1946/47 in Sachsen, durfte seinen früheren Besitz in Lauterbach allerdings nicht mehr betreten und musste eine »Bannmeile« von 20 Kilometern einhalten. Dennoch hielt er Kontakt mit den ihm vertrauten Einwohnern von Lauterbach, die ihn zudem, trotz eines ausdrücklichen Verbots, 1967 auf ihrem Gemeindefriedhof in Lauterbach beerdigt haben. Der früher wohlhabende Sohn der großen Industriellenfamilie aus Chemnitz arbeitete nach 1945 als Tagelöhner und einfacher Arbeiter, weigerte sich aber trotz der Drangsale einer vollkommen reduzierten menschlichen Existenz bis zuletzt, seine Heimat zu verlassen.

 

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